300 jähriges Jubiläum 1954

Hinweis:   Weitere Bilder vom Jubiläum in den Fotoarchiv-Seiten


Bericht der Allgemeinen Zeitung vom 29. Mai 1954

Jubelfest vor 25 Jahren

Anläßlich des morgigen Harwicker Jubelfestes dürfte es interessant sein, einmal Vergleiche zu ziehen mit dem Jubelfest vor 25 Jahren. Wir bringen deshalb ein Bild von dem Jubelfest vor 25 Jahren, worauf der damalige König und die Königin, nebst Ehrendamen zu sehen sind. Der damalige Thron mit Gefolge, im ganzen sechs Personen, hatte seinerzeit zusammen ein Alter von nahezu 500 Jahren. Der König der bereits 50 Jahre vorher auch schon den Vogel abgeschossen hatte und somit König wurde, war damals beinahe 85 Jahre alt; die Königin war nicht viel jünger. Das Interessanteste an dem damaligen Jubelfest ist die Tatsache, dass von der Königin sowohl, wie auch von den Ehrendamen, die heute leider ausgestorbene alte Münsterländer Tracht getragen wurde. Unsere Generation kennt so etwas nicht mehr. Um so mehr dürfte vor allem unsere jungen Leser das Bild interessieren.

Widmungsplakette zum Jubiläum überreicht vom Amt Gescher

Widmungsplakette zum Jubiläum überreicht vom Amt Gescher

Jubiläumskönigspaar

Jubiläumskönigspaar: Hermann Brinkmann und Hildegard Bönning-Busjan

Gefolge: Maria Brinkmann und Heinrich Rickert
  Mariechen Rickert und Bernhard Bönning-Busjan
Adjutant Adjutant Josef Jansing-Eßling    ( im Hintergrund)

Königsplakette

Königsplakette

Vorstand 1954

Vorstand 1954 (v.l.): Heinrich Rolving, Anton Remmelt, Bernhard Schüring, Ignatz, Franz Koller, Theo Wessendorf (1. Vors.) August Lanfer und Bernhard Schültingkemper (halb verdeckt)

Fahnenoffiziere 1954

Fahnenoffiziere 1954 (v.l.): Karl Eskes, Hubert Arends, Josef Sandscheper

Bericht der Allgemeinen Zeitung vom 03. Juni1954

Der Verlauf des Harwicker Jubelfestes

Lebhafte Teilnahme der gesamten Gescherer Bevölkerung und der Gilden des Amtes
Hermann Brinkmann neuer König

AZ Gescher. Das diesjährige Jubelfest der St.-Ludgerus-Schützengilde Harwick stand unter keinem besonders günstigen Stern. Einmal fiel die Feier mit der Pfarrereinführung zusammen, zum anderen verlor die Gilde durch einen tragischen Unglücksfall ihren Adjutanten Anton Schlüter. Das war ein Wermutstropfen im Becher der Freude. Dazu wurde auch Oberstleutnant Bernhard Eßling-Messing von einem Sterbe- und einem Unglücksfall betroffen. Nur auf Drängen des gesamten Vorstandes und Offizierskorps hatte er sich dennoch bereiterklärt,am offiziellen Teil der Feier teilzunehmen.

Die Teilnahme der Harwicker Schützen war kaum jemals zuvor so stark wie in diesem Jahre, auch die Gilden der amtsangehörigen Gemeinden waren überaus zahlreich vertreten. Das Fest begann am Sonntag morgen mit dem Frühschoppenkonzert. Vorher hatten sich Vorstand, Offizierskorps und Schützen am Domhotel eingefunden zum Zuge durch den Ort bis zum Festzelt, das auf „Eppings Eiskuhle“ errichtet war. Am Nachmittag nahm Generalmajor Franz Fromme das Bataillon ab, und unter den Klängen der Feuerwehrkapelle ging es zum Platz vor der Wirtschaft Epping, wo die auswärtigen Schützen bereits angetreten waren. Der Festzug durch die Straßen wurde am Kriegerehrenmal zum Gedenken an die Gefallenen unterbrochen. Generalmajor Fromme hielt hier eine kurze Ansprache und legte einen Kranz nieder.

Im Zelt begrüßte Bürgermeister Theo W e s s e n d o r f   als Vorsitzender der Gilde die auswärtigen Gäste, insbesondere Amtsdirektor Hawig, Amtsbürgermeister Hörnemann und die anderen Bürgermeister, vor allem auch die Vertreter der Geistlichkeit, die das Fest eben- falls mit einem kurzen Besuch beehrten. Schriftführer Franz K o l l e r   hielt eine recht eindrucksvolle Festrede. Er kam dabei auf den Ursprung der Schützengilden zu sprechen und betonte, daß ebenso wie von unseren Vorfahren vor 300 Jahren auch heute noch das Fest der Gilde in Heimattreue und Liebe gefeiert werde. So solle alter Brauch und gute Sitte hochgehalten werden. Sodann gab er einen Rückblick über die 300jährige Geschichte der Harwicker Schützengilde, die kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg unter der Schutzherrschaft des Fürstbischofs Graf Bernhard von Galen entstand, in einer Zeit, als ganze Orte zerstört und viele Bewohner durch Krieg oder ansteckende Krankheiten umgekommen waren. Geschlecht auf Geschlecht zog am geistigen Auge der jetzigen Generation vorüber. Zum Schluß dankte er allen, die sich um die Belange des Schützenvereins sehr verdient gemacht haben. An erster Stelle erwähnte er den Hof Möllmann-Hummelt, wo seit Menschengedenken die Ausholung der Fahne und des Königspaares stattfindet. Auch die jetzige Fahne sei vom Großvater Möllmann gestiftet worden. Er dankte weiter dem ehemaligen Gemeindevorsteher Schültingkemper, dem ehemaligen Oberst Theodor Beeke und dem langjährigen Major Josef Wissing. Besonderen Dank sprach er Generalmajor Fromme und Oberstleutnant Bernhard Eßling-Messing aus, die sich um die Belange des Vereins sehr verdient gemacht hätten. Allen Offizieren, dem Vorstand und den Schützen galt sein weiterer Dank.

Eine große Freude bedeutete für alle Teilnehmer der stattliche Aufmarsch der Schützen zum Gottesdienst in der Frühe des Montagmorgens. Kaum ein Schütze fehlte.

Nach dem Ausholen der Königin und des Königs begann an der Vogelstange der Wettstreit um die Königswürde. Die Feuerwehrkapelle, die sich beim Ablauf des zweitägigen Festes sehr gut bewährt und ein Sonderlob verdient hat, spiele   flotte Weisen. Bewerber um den diesjährigen Königsthron waren genügend vorhanden. Infolgedessen dauerte es auch nicht lange, bis der neue König ermittelt war. Hermann B r i n k m a n n   war der Glückliche. Als Königin erwählte er sich Frau    B ö n n i n g – B u s j a n.

Nach kurzer Mittagspause fanden sich nachmittags die Schützen mit ihren Frauen wieder im Festzelt ein, um in froher Gemeinsamkeit den Tag zu beschließen. Auch an diesem Tage waren noch sehr viele auswärtige Gäste erschienen. Die Polonaise am Abend wies eine stattliche Länge auf. Beim Pfarrhaus blies die hiesige Feuerwehrkapelle den großen Zapfenstreich, auf dem Rückwege bei Ganten/Martin Weever den kleinen Zapfenstreich.

Der weitere Abend verlief in bester Harmonie und Frohsinn. Die Harwicker Schützen – und auch viele andere – werden noch lange an das Jubelfest 1954 zurückdenken.